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The Revolution Will Be Injected |
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| Sendetermine: | DLR - Donnerstag, 12. Mär 2026 22:05, (angekündigte Länge: 55:00)
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| Autor(en): | Orlando de Boeykens Tucké Royale Hans Unstern | ||
| Produktion: | DLR 2020, 56 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt. | ||
| Genre(s): | Audio Art | ||
| Regie: | Orlando de Boeykens Tucké Royale Hans Unstern | ||
| Komponist(en): | Orlando de Boeykens Tucké Royale Hans Unstern | ||
| Ton: Martin EichbergTechnik: Christoph RichterDramaturgie: Julia GabelDramaturgie: Johann Mittmann | |||
| Inhaltsangabe: | Die selbstbestimmte Injektion von Testosteron, um das Geschlecht zu verändern, wirft eine ganze Reihe politischer Fragen auf. Sie vermag Konzepte von Geschlechtern in Theorie und Praxis tiefgreifend zu erschüttern und in neue Koordinatensysteme zu überführen. Tucké Royale, Orlando de Boeykens und Hans Unstern verhandeln in ihrer Text- und Soundmontage Körper im Um- und Aufbruch, Liebe, freundschaftliche Verbundenheit und gefährliches Wissen über die westliche Ordnung. Ein Hörspiel mit eigenen Texten, Packungsbeilagen einschlägiger Arzneimittel und neuen Songs. Tucké Royale ist Schauspieler und Autor. Hans Unstern macht Musik und Harfen. Orlando de Boeykens ist Tubist, der in klassischen Orchestern ebenso zu Hause ist wie in Pop- und Jazzformationen. | ||
| Expertenkommentar: | Die Begründung der Jury „Was für eine Feministin bin ich heute: eine Feministin, abhängig von Testosteron oder ein transgeschlechtlicher Körper von Feminismus abhängig? Ich habe keine Wahl, ich muss meine Klassiker revidieren und meine Theorien diesem Erdbeben des Testosterons aussetzen.“ Orlando de Boeykens, Tucké Royale und Hans Unstern verhandeln in ihrem Hörstück „The Revolution Will Be Injected“ die selbstbestimmte Injektion von Testosteron und die daraufhin langsam einsetzende Transformation von einem weiblichen in einen männlichen Körper. Die Entscheidung zur Einnahme des Hormons führt zu einer umfassenden Erschütterung im Leben der Protagonist*innen: Geschlechterkonzepte, gesellschaftliche Sichtweisen, aber auch die eigene Körperwahrnehmung, Vergangenheit und Identität werden hinterfragt, neu verordnet und definiert. In einer äußerst gelungenen Komposition aus verschiedenen Textsorten wie Packungsbeilagen, persönlichen Erfahrungsberichten, Sachtexten und performativen Elementen begleitet das Hörspiel den Entscheidungsprozess zum Testosteron und führt vor Augen, was eine solche Transformation bedeutet. Eine besondere Leistung der Hörspielproduktion liegt darin, dass die Auswirkungen und Dimensionen der durch Testosteron erzeugten Veränderungen auch für die Hörer*innen nachvollziehbar werden. Klug und empathisch leistet „The Revolution Will Be Injected“ so einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über non-binäre Identität und Transgender und damit auch gegen Diskriminierung von Homo-, Bi-, Inter- und Transsexualität. Das macht es zum Hörspiel des Monats Mai! Die Text- und Soundmontage lässt die Zuhörer*innen in die Gefühlswelt einer Trans-Person eintauchen und berührt dabei ein hochpolitisches und gesellschaftlich relevantes Thema. Durch den Wechsel zwischen deutscher und englischer Sprache, zwischen Sprechtext und Song, findet das Hörspiel auch eine schlüssige Form für den Zustand des „Inbetween“, des Dazwischen-Seins, der die thematische Ebene bestimmt. Sich als non-binär zu identifizieren und in einer binär strukturierten Geschlechterordnung zu bewegen, beinhaltet viele Schwierigkeiten, Diskriminierungserfahrungen und Gefahren. Erst recht, wenn die durch das Testosteron herbeigeführte Veränderung des Phänotyps dazu führt, dass man von der Umwelt zwar als Mann gelesen wird, aber nicht automatisch dem Klischee eines Mannes entsprechen will. Die Packungsbeilage, die vor den Konsequenzen der Einnahme des Hormons für Frauen warnt, da diese bei Doping-Kontrollen positiv getestet werden könnten, ist nur ein Beispiel einer beschränkten Weltsicht, in der die Begriffe von Frau und Mann auf einer chromosomalen Definition beruhen. „Das Labor setzt einen männlichen Nutzer voraus, der auf natürliche Weise nicht ausreichend Androgen produzieren kann und der offenkundig heterosexuell ist“, heißt es im Hörspiel. Mitreißend, klug und witzig erzählt „The Revolution Will Be Injected“ davon, wie es ist, wenn über den Körper eine zweite Pubertät hereinbricht, von der Problematik der Toilettenwahl und gesellschaftlicher Isolation, weil die Community die nicht ungefährliche medizinische Anwendung kritisiert. Neben der Schilderung intensiver körperlicher Erfahrungen eröffnet das Hörspiel u. a. mit Texten bekannter Gendertheoretiker*innen wie Paul B. Preciado einen notwendigen Diskurs über gesellschaftliche Norm und Moral: „Ich verabreiche mir nicht nur das Hormon, das Molekül, sondern ebenso sehr die Idee dieses Hormons: eine Reihe von Zeichen, Texten und Diskursen, den Prozess, durch den das Hormon synthetisiert werden konnte, die technische Sequenz, durch die es sich im Labor materialisiert. Ich injiziere mir eine hydrophob und kristallin karbonisierte Kette von Steroiden und mit ihr ein Stück Geschichte der Moderne“, so Tucké Royal im Stück. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und damit, was diese das eigene Verständnis von Feminismus prägt, verbindet „The Revolution Will Be Injected“ mit dem Werk der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux, zu deren 80. Geburtstag zwei Hörspielproduktionen erscheinen. Für eine davon, „Erinnerung eines Mädchens“, in der Hörspielbearbeitung von Irene Schuck produziert vom Südwestrundfunk, spricht die Jury eine lobende Erwähnung und ausdrückliche Hörempfehlung aus. Ernaux schonungslose Sektion der eigenen Biografie führt auf erschütternde Weise auf, wie gesellschaftliche Rollenmuster unser aller Biografien prägen und beschädigen. Und dass wir zwar vielleicht etwas weiter gekommen sind seit 1958, aber nicht annähernd weit genug. | ||
| Mitwirkende: |
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| Preise / Auszeichnungen: | Hörspiel des Monats 5 2020 | ||
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Kein Zimmer für sich allein |
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| Sendetermine: | DLR - Freitag, 13. Mär 2026 00:05 |
| Autor(en): | Margit Pötzsch |
| Produktion: | EIG 2025, 21 Min. (Stereo) - Feature |
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Heb mal den Faden an |
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| Sendetermine: | DLR - Freitag, 13. Mär 2026 00:05 |
| Autor(en): | Annegret Suaudeau Claudia Tesorino |
| Produktion: | EIG 2026, 5 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt. |
| Genre(s): | Audio Art |
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VOICE: OFF |
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| Sendetermine: | DLR - Freitag, 13. Mär 2026 00:05, (angekündigte Länge: 10:00)
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| Autor(en): | Claudia C. Weber | ||||
| Produktion: | EIG 2025, 11 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt. | ||||
| Genre(s): | Groteske | ||||
| Regie: | Claudia C. Weber | ||||
| Komponist(en): | Claudia C. Weber | ||||
| Tongestaltung: Lukas Fretz | |||||
| Inhaltsangabe: | ER möchte mit seiner Figur und ihrer Stimme eine Kriminalhandlung inszenieren, doch SIE widersetzt sich seinem Skript, unterwandert den Ablauf und stellt Grundsätzliches infrage. Die beiden geraten in einen absurden Machtkampf um Kreativität und Kontrolle und schaffen ein akustisches Spiegelkabinett, in dem sich nichts mehr scripten lässt. VOICE: OFF seziert seine eigenen Mechanismen und probiert als Hör Spiel i.e.S., wie weit sich die Grenzen des Mediums dehnen lassen: nichts ist unmöglich – außer vielleicht, die Kontrolle zu behalten | ||||
| Mitwirkende: |
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