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Die ARD hat den Deutschen Hörspielpreis eingestellt.

Ein ARD-Sprecher sagte, die Initiative für diese Entscheidung sei von den Hörspielredaktionen der ARD-Sender gekommen. Innerhalb des Senderverbunds gebe es immer mehr Kooperationen, dazu gehöre auch eine virtuelle Gemeinschaftsredaktion für das Hörspiel.

Daher sei ein Wettbewerb als Binnenkonkurrenz zwischen den Landesrundfunkanstalten und Deutschlandradio, ORF und SRF wenig plausibel, unzeitgemäß und nach außen nicht vermittelbar. Nach Angaben des Sprechers erschien den Hörspielredaktionen ein Wettbewerb fragwürdig, bei dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen durch Rundfunkbeiträge finanzierten Preis an Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vergebe. Die Hörspieltage in Karlsruhe, an denen der Preis bisher vergeben wurde, sollen neu aufgesetzt werden.

Die letzten ARD-Hörspieltage in gewohnter Form finden im ZKM-Karlsruhe vom 7. bis 10. November 2024 statt.

Lisa Fittko, Chicago 2000

Autor(en): Michael Farin
Katrin Seybold
Produktion: BR 2006, 55 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt.
Genre(s): Originalton
Regie: Michael Farin
Komponist(en): zeitblom
Inhaltsangabe: "Es gibt gewisse Bücher, hinter denen eine der Weißen Rose würdige Lebensgeschichte steht. Lisa Fittkos Erinnerungen sind von dieser Art", schrieb Jürgen Habermas zu Lisa Fittkos Buch 'Mein Weg über die Pyrenäen' (1985).
Lisa Fittko, 1909 geboren, entstammt dem deutschsprachig-böhmischen Judentum. Sie wächst in Wien und Berlin auf. 1933 muss sie Deutschland wegen ihres politischen Engagements verlassen und flieht nach Prag. Hier lernt sie ihren Mann Hans Fittko kennen, der im kommunistischen Widerstand aktiv ist. Als die Deutschen seine Auslieferung verlangen, fliehen beide in die Schweiz und geraten über Holland nach Paris. Dort wird sie 1940 mit Hannah Arendt und anderen als "feindliche Ausländerin" in dem berüchtigten Frauenlager Gurs interniert, entkommt beim Einmarsch der Deutschen aber nach Marseille, wo sie ihren Mann wiederfindet. Weil sie keine gültigen Papiere haben, reist sie, nach Auswegen suchend, an die französisch-spanische Grenze, um einen Fluchtweg auszukundschaften. Da steht plötzlich Walter Benjamin vor der Tür.
Lisa Fittko hat Walter Benjamin über die Pyrenäen geführt und später - unter Einsatz ihres Lebens - gemeinsam mit ihrem Mann, weit mehr als hundert anderen Verfolgten die Flucht vor den Nazis ermöglicht. Denn nachdem die Vichy-Regierung mit dem NS-Regime einen Auslieferungsvertrag für alle Emigranten geschlossen hatte, war Südfrankreich zur Menschenfalle geworden. Um wenigstens einige Intellektuelle und Künstler zu retten, hatten in die USA geflohene deutsche Sozialisten das 'Emergency Rescue Committee' gegründet. Über einen alten Schmugglerpfad schleusten sie Schriftsteller, Universitätsprofessoren, Ärzte und viele andere nach Portbou, Spanien. Ende 1941 wird Lisa und Hans Fittko der Aufenthalt in der Grenzregion untersagt. Ihre Flucht nach Kuba gelingt, später sogar, allerdings erst 1948, die Einreise in die USA. In den 50er Jahren bietet ihnen die DDR an, nach Deutschland zurückzukommen: Sie lehnen ab und bleiben in Chicago.
Im Jahre 2000 hat sich Lisa Fittko vor der Filmkamera in einem mehrstündigen Interview noch einmal schlaglichtartig all dessen erinnert. In dieser daraus eigens für das Radio produzierten O-Ton-Collage erzählt sie uneitel, anschaulich und bisweilen mit einem dem Leid abgetrotzten Humor von dem, was sie für das 'Selbstverständliche' hält: gegen die Nazi-Barbarei Widerstand zu leisten und Menschen zu retten. Auf dem Denkmal für die 'unbesungenen Helden' Hans und Lisa Fittko in Banyuls steht denn auch noch heute: "Es war das Selbstverständliche."
Am 11. März 2005 ist Lisa Fittko in Chicago gestorben.
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