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Es ist kein Geheimnis, dass es einen Reformstau bei HörDat gibt. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich am Erscheinungsbild und an den Funktionen einiges ändern. In einem ersten Schritt wurden folgende Änderungen vorgenommen:

  • Die bislang getrennten Sammlungen 'Hörspiel' und 'Feature' sind in einer Datenbank zusammengefasst. Zur einfachen Unterscheidung sind die Feature-Titel mit grün hinterlegt.
  • Bei den Hörstücken werden die erhaltenen Auszeichnungen angegeben
  • Als 'Gute Geister' werden, soweit bekannt, Tontechniker und andere bei der Produktion beteiligte Personen genannt.
Weiter Verbesserungen werden folgen.

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1 Hörspiele mit Autor = »Müller« und Titel = »Séance Vocibus Avium« im Zeitraum Mittwoch, 16. Mai 2018

Séance Vocibus Avium

Sendetermine: NDR Kultur - Mittwoch, 16. Mai 2018 20:05, (angekündigte Länge: 55:00)
Autor(en): Wolfgang Müller
Produktion: BR 2008, 55 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt.
Regie: Wolfgang Müller
Dramaturgie: Katarina Agathos
Inhaltsangabe: Mit dem Verschwinden einer Vogelart verstummt auch deren Gesang. Seit 1600 sind schätzungsweise 150 Vogelarten ausgestorben. Neben den Überresten in naturkundlichen Sammlungen in Form von Bälgern, Skeletten und Eiern existieren auch eine Anzahl zeitgenössischer wissenschaftlicher Beschreibungen. Nur sehr wenige dieser beinhalten jedoch Angaben zur Stimme des Vogels.
Wolfgang Müller analysiert in der Séance vocibus avium die Sprache der Wissenschaftler, Entdecker und Forscher, die den Vogel und seine Umgebung begreifbar und anschaulich machen wollten und wollen. Welche Sprache wird dabei eingesetzt, was klingt aus ihr? Welche Wörter werden verwendet, um die Gestalt und das Wesen des ausgestorbenen Vogels zu rekonstruieren? Die Stimme von Claudia Urbschat-Mingues kreiert in einer Sprachséance Bilder von neuen, nie zuvor gesehenen Vögeln in fremden und vertrauten Biotopen.

Außerdem bat Wolfgang Müller zehn mit ihm befreundete Musiker, eine möglichst naturalistische Rekonstruktion des verstummten Vogelgesanges nach den existierenden wissenschaftlichen Angaben vorzunehmen.
Die Vogelstimmen werden gestaltet durch Justus Köhnke, Annette Humpe, Frederik Schikowski, Frieder Butzmann, Hartmut Andryczuk, Max Müller, Nicholas Bussmann, Wolfgang Müller, Françoise Cactus, Brezel Göring, Khan, Namosh und Kristbjörg Kjeld. Dafür lösen sie ihre Identität als Musiker und Künstler auf und verwandeln sich in einen bestimmten, ausgestorbenen Vogel, den sie nun durch dessen Gesang verkörpern. Das Resultat ist weder Musik noch Klangkunst sondern bisher nie gehörte Lautpoesie.
Bereits 1994 rekonstruierte Wolfgang Müller in Reykjavík für sein BR-Hörspiel Das Thrymlied die Lautäußerungen des ursprünglich in Europa heimischen und vollständig ausgerotteten nordatlantischen Riesenalks (alca impennis). Dessen Laute wurden 1844 von drei isländischen Seeleuten bei der Tötung der letzten Exemplare letztmalig vernommen und in einem Artikel des Wissenschaftlers Dr. Alfred Newton aus Cambridge in der Zeitschrift Ibis (1858) beschrieben.
Expertenkommentar: Hörspiel des Monats August 2008, Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

"Wolfgang Müller gibt ausgestorbenen Vogelarten eine Stimme: Er hat Künstler der deutschen Avantgarde-Pop-Szene gebeten, allein auf der Grundlage wissenschaftlicher Aufzeichnungen verstummte, vergangene Vogelstimmen zu rekonstruieren. So wird aus der rein schriftsprachlichen Erinnerung an ausgestorbene Natur wieder lebendige Akustik - und wir werden nie erfahren, ob diese Töne und Stimmen 'richtig' sind oder doch ganz anders als die ihrer tierischen Vorbilder. Mit ihren jeweils ganz eigenen musikalischen und stimmlichen Mitteln und Techniken schaffen die Musiker uns aber die Möglichkeit einer Erinnerung, einer Vorstellung der ausgestorbenen Vögel.
Der Ernst, mit dem Justus Köhnke, Annette Humpe, Frederik Schikowski, Frieder Butzmann, Hartmut Andryczuk, Max Müller, Nicholas Bussmann, Wolfgang Müller, Francoise Cactus, Brezel Göring, Khan und Namosh sich ihrer bio-archäologischen Aufgabe widmen, wird dem Sujet gerecht: Denn die Stimmen ausgestorbener Vogelarten kommen nicht zurück, sind nicht zu archivieren, nicht zu ersetzen - und eben auch bei noch so kunstfertiger Bemühung nicht zu rekonstruieren. Die Künstler verausgaben sich hier uneitel (und letztlich nicht mehr persönlich zu identifizieren) hör- und fühlbar für den Erhalt eines winzigen Moments Natur - und scheitern daran allen Ernstes.
Parallel referiert die Sprecherin Claudia Urbschat-Mingues die wissenschaftlichen Beschreibungen der Vogelstimmen; durch unendlich viele Deutungen und Bedeutungen, Übersetzungen, Synonyme und Interpretationen der Begriffe , mit denen Wissenschaftler die Natur beschreibbar machen woll(t)en, werden auch deren Versuche ad absurdum geführt: Schon nach wenigen Runden des aus Hören, Sagen und Verstehen unweigerlich folgendenden Deutens wird aus der Vogelstimme ein neues 'Irgendwas' aus der Natur oder dem Rest unserer individuellen Erfahrungswelt.
Wolfgang Müller setzt mit seinem Hörspiel der aussterbenden Natur ein akustisches Denkmal - und erzählt dabei viel über die Kraft, aber auch über die klaren Grenzen der Kunst. Für die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Natur hinterfragt er die Maßstäbe - und erfindet ein paar neue."
Mitwirkende:
Claudia Urbschat-Mingues
Musiker Justus Köhnke
Musiker Annette Humpe
Musiker Frederik Schikowski
Musiker Frieder Butzmann
Musiker Hartmut Andryczuk
Musiker Max Müller
Musiker Nicholas Bussmann
Musiker Francoise Cactus
Musiker Brezel Göring
Musiker Khan
Musiker Namosh
Musiker Wolfgang Müller
Preise / Auszeichnungen: Hörspiel des Monats 08 2008
Karl-Sczuka-Preis 2009
Links: Externer Link Homepage Wolfgang Müller
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Druckausgabe (PDF)

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